Ein kleines Blechschild voller Fantasie und Erwartung
Dieses Schild ziert bis 2012 den Domplatz in Münster, dann wird es ausgetauscht. Foto: Schulte, westline
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Münster (wl) - Ein kleines Blechschild, 20 mal 30 Zentimeter groß. Unscheinbar genug, doch verbunden mit jeder Menge Fantasie und Erwartungen. In Münster sorgt dieses Schild seit Anfang der 90er Jahre für staunende Blicke.
Denn auf weißen Grund künden schwarze Buchstaben von einem Datum in der Zukunft. Bis zum Mittwoch prangte das Datum "24. März 2008, 17 Uhr" auf dem Schild. Ostermontag also. Viele neugierige Besucher waren am Montag am münsterischen Domplatz erschienen, um mitzuerleben, was geschehen würde. Und wurden leicht enttäuscht. Denn nichts geschah. Das Datum kam und verging, keine Spur von einem neuen Zeitpunkt, keine Spur vom Künstler, stattdessen eine Menge fragender Blicke und rätselhafter Vermutungen.
Dabei ist die Geschichte so simpel wie elegant. Urheber der ganzen Aktion ist der heute in Berlin lebende Künstler Mark Formanek. Unter der Dachmarke "Zukunfts- & Vergangenheitshandel" montierte Formanek im Jahr 1992 sein erstes Schild in Münster. Damals noch am Hawerkamp, den Treffpunkt der alternativen Szene Münsters. Im Rahmen der Kunstförderung erwarb die Stadt Münster Mitte der 90er das Projekt und schraubte das Blech am Domplatz fest. Seitdem prangt es gegenüber der Bezirksregierung an der Wand und verheißt im Grunde alles, was Passanten sich vorstellen können.
Etwa alle vier Jahre wird das Schild ausgetauscht. "Der Schildertausch gehört eigentlich nicht zum Kunstwerk", sagt Andreas Ermeling. Der stellvertretende Kulturamtsleiter der Stadt muss aber auch schmunzeln, als er die erwartungsfrohe Menge am Domplatz sieht. "Das hat sich selbständig kultig gemacht." Schlicht "verpennt" hatte allerdings auch das Kulturamt den eigentlichen Termin am Ostermontag. "Osterferien…", seufzt Ermeling, "darüber hatten wir das irgendwie aus den Augen verloren."
Aber dennoch: Das Spiel mit der Fantasie funktioniert. Noch während der "Kunsttechniker" Christian Geißler im Auftrag des Kulturamtes das alte Schild abschraubt und das neue montiert, erklärt eine Stadtführerin einer englischen Reisegruppe, was sich dahinter verbirgt. Auch sie erntet erstaunte Blicke. Anfragen, das alte Schild käuflich zu erwerben, bescheidet Geißler allerdings negativ. "Das kommt ins Archiv". Dort lagern alle Schilder von Mark Formanek. Es geht nämlich weiter, bis ins Jahr 2040 hat Formanek damals Schilder herstellen lassen, sieben Stück sind noch da.
Weiter geht es 2012...
"Ich finde es witzig", sagt Andrea Lammers, 23 Jahre. Die Münsteranerin wollte eigentlich schon am Montag zum angekündigten Zeitpunkt erscheinen. "Habe ich aber vergessen", gibt sie lächelnd zu. "Mein Vater hat mich dann auf den Termin heute aufmerksam gemacht", erzählt sie. Wirklich viel erwartet hatte sie nicht und wundert sich doch über die große Zahl der Fotografen. Bis zum nächsten Termin muss sie wie alle Neugierigen warten. Als neues Datum kündet seit Mittwochmittag, Schlag 12 Uhr, der 28. März 2012, exakt 16.45 Uhr. Bis dahin geht das Spiel mit der Fantasie des Betrachters weiter.
Mittwoch, 26. März 2008 | Carsten Schulte, westline