Schalke 04
"Manchmal ist Tönnies mehr Fan" / Vorstand hält zu Rutten
Gelsenkirchen (wl) - Im Prinzip ist Clemens Tönnies der mächtigste Mann auf Schalke: Denn der Aufsichtsrat, dem Tönnies vorsitzt, bestellt den Vorstand – und kann diesen auch abberufen. "Aber manchmal", weiß Schalkes Manager Andreas Müller, "ist Clemens Tönnies immer noch mehr Schalke-Fan."
Das ist auf der einen Seite ein dickes Kompliment – immerhin sind die Fans auch in Zeiten, in denen sich die Fußball-Clubs gerne als Wirtschaftsunternehmen positionieren, noch immer die Seele des Vereins. Aber viele Fans, und das ist gut so, tragen ihr Herz auch auf der Zunge, wenn es um ihren Lieblingsverein geht. Und genau das unterstellt Müller Clemens Tönnies.
Der hatte vielen Anhängern aus der Seele gesprochen, als er nach dem blutleeren Auftritt in Leverkusen zehn Punkte aus den letzten vier Spielen bis zur Winterpause forderte. Und auch mit seinem Vorschlag, fünf Millionen Euro für einen Neuzugang zur Verfügung stellen zu wollen, traf Tönnies den Nerv der Schalke-Fans, die im Kader ein kreatives Element vermissen.
Der sportlichen Leitung hat dieses Einmischen von Tönnies in ihren Beritt nicht besonders gut gefallen. Zuerst wagte sich Fred Rutten aus der Deckung, der die Aussagen von Tönnies als "überhaupt nicht schlau" bezeichnete (wir berichteten). Nun hat sich auch der S04-Vorstand hinter Rutten gestellt: "Wir sind einhellig der Meinung", so Andreas Müller, "dass das nicht besonders hilfreich war". Sowieso weiß Müller noch gar nicht, ob er die vom Aufsichtsrat für einen neuen Spieler zur Verfügung gestellten Mittel überhaupt in Anspruch nehmen wird.
Auf die Frage, ob er den aktuellen Kader für fähig hält, die angestrebten Saisonziele trotz des unerfreulichen Abrutschens auf Platz acht noch zu erreichen, antwortete Müller nur mit: "Ja." Dieser These folgend wäre ein Neuzugang dann ja eigentlich überflüssig.Vielmehr verfolgt Müller weiterhin seine Theorie, die aktuelle Misere sei eher eine Mentalitätsfrage: "Die Spieler müssen wieder mit der Einstellung auf den Platz gehen: Wir wollen gewinnen. Und nicht mit: Wir wollen nicht verlieren."
Klingt überzeugend – ob aber das in dieser Saison oft praktizierte Modell mit zweieinhalb defensiven Mittelfeldspielern (bei Engelaar ist noch nicht so richtig zu identifizieren, ob er nun ein defensiver oder offensiver ist) das richtige Signal ist, um den "Königsblauen" die geforderte Siegermentalität einzuhauchen, darf bezweifelt werden. Denn mit dieser Formation wird Schalke immer schwer zu schlagen sein, aber auch (zu) oft Schwierigkeiten haben, Spiele zu gewinnen.
Immerhin: Gegen die in der Tabelle unter Schalke platzierten Mannschaften hat es in dieser Saison vor allem zuhause meistens gereicht, also ist Schalke natürlich auch gegen Borussia Mönchengladbach haushoher Favorit.Rutten warnt dennoch: "Ich kenne Borussia-Trainer Hans Meyer sehr gut. Der kommt bestimmt nicht hierhin, um mir Spaß zu machen."
Donnerstag, 20. November 2008 | Norbert Neubaum