Schalke 04
"Den Spielern in den Hintern treten"
Schalke (wl) - Der Trainer ist sauer, der Manager ist sauer, die Fans sind sauer – die Art und Weise des Zustandekommens der Niederlage in Leverkusen und das nun logische Abrutschen ins Mittelmaß schreit "auf Schalke" geradezu nach Konsequenzen.
Doch auf der Suche nach konstruktiven Reaktionen auf die Minus-Leistung wirkt die Schalker Führung derzeit noch genau so ratlos wie die Mannschaft auf dem Platz. Manager Andreas Müller, der eine Ursache genau wie Rutten in der fehlenden Leidenschaft und Einstellung sieht, orientiert sich zunächst mal an recht hausbackenen Methoden: "Ich denke, dass unser Trainer den Schutzschild, den er bisher immer über die Spieler gehalten hat, jetzt rausnimmt. Man muss den Spielern manchmal in den Hintern treten."
Das mag schon sein – aber weil dadurch nicht gewährleistet ist, dass sie danach auch besser Fußball spielen (nur Leidenschaft reicht schließlich auch nicht aus), denkt zumindest der Aufsichtsrat über Neuverpflichtungen nach – das ist eigentlich die Aufgabe von Müller, der von einem Vorstoß des Aufsichtsrats-Chefs Clemens Tönnies, dessen Gremium für einen solchen Transfer fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen will, sichtlich überrascht war. Müller mag (und kann) einen dementsprechenden Transfer weder bestätigen noch ausschließen.
Immerhin hat Schalke ja noch zahlreiche andere Spieler im Kader – was Fred Rutten zumindest von den Offensivleuten darunter hält, zeigte er am Samstag. Beim Rückstand von 0:2 wechselte er Mittelfeldspieler Ernst in der 52. Minute aus und Verteidiger Höwedes ein. Mit Westermann beorderte Rutten einen Verteidiger nach vorn, obwohl er noch zahlreiche Offensivleute auf der Bank hatte – u. a. Ivan Rakitic. Westermann, so Rutten, könne gegen eine Mannschaft wie Leverkusen mehr Druck machen.
Und man konnte Rutten nicht mal widersprechen. So viel zum Vertrauen in Schalkes "zweite Reihe".
Sonntag, 16. November 2008 | Norbert Neubaum