Schalke 04
Schalke im Herbst 2008: Leblos, ideenlos, ratlos
Die Kritik an Trainer Fred Rutten kommt nicht unerwartet. Archivfoto: Linnhoff
>> großes Bild
Gelsenkirchen (wl) - "Nichts geht mehr", sagte Stadionsprecher Bernd Scheffler Mitte der zweiten Halbzeit – und traf damit ins Schwarze. Schalke lag 0:2 gegen Manchester City zurück und fand sich erschreckend uninspiriert mit der Niederlage ab, die nun das Überstehen der UEFA-Cup-Gruppenphase in Frage stellt.
Am 3. Dezember hat Schalke das "Endspiel" in Enschede – aber selbst der Einzug in die K.o.-Runde würde die Stimmung bei den "Königsblauen" wohl nur leicht verbessern. Insgesamt herrscht Tristesse: Wütende Fans, die ihrem Unmut über eine freudlose Saison am Donnerstag lauthals Luft machten, eine offenbar überschätzte Mannschaft, ein ratlos wirkender Trainer und ein Manager als Zielscheibe der Kritik. Schalke im Herbst 2008 – leblos, ideenlos, ratlos.
Die Mannschaft: Am Sonntag spielt Schalke beim ebenfalls kriselnden VfB Stuttgart, und Halil Altintop findet das gut: "Denn jetzt können und müssen wir eine Reaktion zeigen." Das erste Saisonziel (Teilnahme an der Champions League) verpasst, in der Bundesliga nur Mittelmaß, im UEFA-Cup nun auch auf der Kippe – das ist viel zu wenig für die von Schalke ja selbst formulierten Ansprüche. "Es kann etwas nicht stimmen, wenn man nach einem 0:1-Rückstand so einbricht", sagt Altintop – und hat Recht. Eine Erklärung hat er aber auch nicht. Schalke ist gespickt mit erfahrenen Akteuren und Nationalspielern, aber gegen Mannschaften von gehobener Qualität läuft es nicht.
Der Trainer: Rutten hat die Regeln hier schnell gelernt: "Wenn du bei einem so großen Klub wie Schalke arbeitest, müssen die Ergebnisse stimmen, alles andere zählt nicht." Die Ergebnisse stimmen oft genug nicht, die Leistung auch nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Rutten in die Kritik gerät. Denn er arbeitet mit einem Kader, der es im Vorjahr immerhin bis ins Viertelfinale der Champions League und auf Liga-Platz drei geschafft hat. Zwei Neuzugänge kamen obendrauf.
Der Manager: Als Rutten die Mannschaft gestern zu einer Unterredung bittet, sitzt Andreas Müller daneben und hört zu. Viel Neues erfährt er nicht, die Aussprache ist wenig konstruktiv. Am Donnerstag hat Müller im Stadion genug gehört. "Müller raus", peitschte es ihm um die Ohren. Das hat es auf Schalke lange nicht mehr gegeben.
Die Fans: Für das Spiel gegen Manchester mussten sie Top-Zuschlag bezahlen. Trotzdem war die Arena wieder ausverkauft. Die erreichte Besucher-Kapazität war es übrigens, die Bernd Scheffler meinte, als er sagte: "Nichts geht mehr!"
Freitag, 28. November 2008 | Norbert Neubaum