Jürgen Klopp im westline-Extraforum: Spaß an tollen Fragen, Spaß an langen Antworten - zu wenig Zeit
Hatte sichtlich Spaß beim Beantworten der Fragen: Jürgen Klopp (rechts) mit westline-Redakteur Carsten Linnhoff. Foto: Schadwinkel
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Dortmund - (wl) "Tolle Fragen hier, Wahnsinn, so mal eben schnell beantworten kann ich die alle nicht." Jürgen Klopp, Borussia Dortmunds Cheftrainer, war am Donnerstag zu Gast im westline-Extraforum. Fast eine Woche lang hatten die westline-Nutzer Ihre Frage einstellen können.
Und dann ging er sie durch, die Fragen. Und bereits bei der ersten Antwort war klar: Der Mann hat seinen eigenen Kopf, macht sich Gedanken und redet den Fans nicht nach dem Maul.
Verkauf des Publikumsbliebings Kuba? Ja, warum denn nicht? Wenn die Summe stimmt! Aber Klopp dreht es, erklärt, warum ein Kuba-Verkauf kein Untergang wäre: "Das Thema ist ausschließlich positiv: Entweder haben wir einen außergewöhnlich tollen Spieler oder eine dann aber wirklich überragend hohe Ablösesumme." Einwände? Nein.
Bei seinen Antworten holt er aus, begründet seine Ansichten, zeigt auf, wie er Fußball lebt und wieviel Psychologie er damit verbindet: "Ich gucke mir nicht ein Spiel an und sage dann: Klappt nicht, der Nächste bitte! Als Trainer muss man Abläufen Zeit geben, sich zu entwickeln."
Und das in einem Umfeld wie Dortmund. Wo Stimmungen bei den Fans schwanken von "wir werden Meister" (nach dem Köln-Spiel) bis "wir steigen ab" (Bochum-Spiel). Klopp zu den Reaktionen der Fans: "Bei so einem emotionalen Verein wie Borussia Dortmund überrascht mich das jetzt nicht so sehr. Möglicherweise werden die Ergebnisse direkt nach den Spielen einigermaßen extrem diskutiert. Aber mit ein paar Tagen Abstand werden die Leistungen von den Fans durchaus realistisch eingeschätzt. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Fans unseren eingeschlagen Weg mitgehen möchten. Wir sind 6. Niemand ist richtig unzufrieden, aber wir alle stellen fest: Im ein oder anderen Spiel haben wir Punkte liegen gelassen. Das stört uns alle."
Klopp fügt Satz an Satz, holt da nochmals aus, denkt nach. Aber ihm ist wichtig, Dinge auch klar zustellen: "Tausch Petric/Zidan? Den gab es nicht. Petric ging nach Hamburg, aus verschiedenen Gründen. Dann haben wir überlegt, welchen Stürmer holen wir jetzt? Welcher Spieler passt zu unserem System? Die Antwort lautete Zidan." Und zum vermeintlichen Streit zwischen ihm und Petric? "Es gab nie einem Streit. Und wenn Mladen am Samstag gegen uns nicht trifft, wird es auch nie einen Streit geben", antwortet er mit einem schelmischen Lachen und freut sich auf das Spiel beim Hamburger SV. "Ich habe gerade noch mit Mladen telefoniert. Zwischen uns gab es nie Verstimmungen."
Eine Stunde Zeit hat Klopp mitgebracht, der nächste Termin steht an: Pressekonferenz vor Bundesliga-Spiel.
Nach 50 Minuten schaut Pressechef Josef Schneck nervös auf die Uhr. Klopp konnte viele Fragen aus Zeitmangel nicht beantworten. Und es juckte ihn in den Fingern, er hätte gerne noch mehr geschrieben. Die Themen, die die westline-Fans vorgebracht haben, hat er sich mit großem Vergnügen angeschaut. Und er will wiederkommen. "Spätestens beim nächsten Titelgewinn bin ich wieder hier." Und dafür hat er viel Zeit eingeplant. Auf die Frage, ob er langfristig in Dortmund bleiben wolle, antwortet Klopp: "Ich will einmal durch den neuen B1-Tunnel fahren." Und das kann noch dauern. Optimistische Planungen gehen davon aus, dass der Tunnel im Jahr 2014 fertig ist. Bedeutet: Die Fans hätten noch lange etwas von ihrem "Kloppo".
Alle Antworten sind nachzulesen unter www.westline.de/go/extra-forum
Donnerstag, 6. November 2008 | Carsten Linnhoff, westline